Das Warten hat ein Ende! Die ersten Olivenöle aus Sizilien, Kalabrien und dem nördlichen Gardasee sind bei mir im Lager eingetroffen. Ein kleiner Erntebericht und Infos rund um die Öle...

Das Besondere an Italien ist die große Vielfalt in allem. Sie zeigt sich auch in den unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen und diverse Mikroklimata über den gesamten italienischen Stiefel verteilt. Beklagen apulische Olivenbauern große Frostschäden, die von einer Kältewellen Ende Februar herrühren und ihre Ernte empfindlich dezimieren, hielten die Bäume anderer Gegenden wie z. B. der nördliche Gardasee, Nordkalabrien oder die Abruzzen den eisigen Temperaturen gut stand. In der Toskana freuten sich bis vor kurzem in vielen Gegenden die Produzenten, die nicht vom Frost betroffen waren, über ertragreiche Bäume und gesunde Oliven. Dann fegte am 29. Oktober der orkanartige Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h mitten in der Erntezeit einen beträchtlichen Teil der Früchte vom Baum. Zu Spitzenqualität können die zu Boden gefallenen Oliven nun leider nicht mehr verarbeitet werden....

Auf Sizilien begann die Ernte dieses Jahr bereits Mitte September. Der Sommer war regenreich, was der Olivenfliege – dem Olivenschädling Nummer Eins - gut bekommt. Mit der früheren Ernte versuchten die Olivenbauern zu verhindern, dass sich eine weitere Population über die Oliven hermachte. Die Weibchen stechen in die Frucht und legen darin ihre Eier ab. Die daraus entstehenden Larven fressen sich dann durch das Fruchtfleisch. Aus solchen beschädigten Oliven lässt sich keine Qualität erzeugen. Salvatore Cutrera von Frantoi Cutrera hat sich nach dem desaströsen Erntejahr 2014 einen optischen Olivensortierer angeschafft. Beim Wein kennt man die maschinelle Selektion der Früchte schon länger. Bei der Verarbeitung von Oliven ist dies relativ neu. Diese Maschine ist nun im Einsatz, um auch in einem schwierigen Erntejahr, wie dies heuer auf Sizilien der Fall ist, Spitzenqualität produzieren zu können.

Als erstes Olivenöl im Lager eingetroffen: Das unfiltrierte Frescolio, ein Blend aus den sizilianischen Sorten Moresca und Biancolilla. Es duftet nach Wiesenkräutern und Mandel mit Noten von Strauchtomaten. Im Mund entwickeln sich dezente Bitternoten und eine pfeffrige mittelintensive Schärfe.

In Kalabrien war die Situation besser. Es gab keine nennenswerten Olivenfliegen-Schäden. Das unfiltrierte Olivenöl Appena Franto (übersetzt „soeben gemahlen“) der Familie Librandi hat ein herrlich grünes frisches Aroma nach Wiesen- und Heilkräutern sowie grüner Mandel. Im Mund entwickeln sich mittelintensive Bitternoten. Die Schärfe ist kräftig pfeffrig mit Anklängen von Peperoncino.

Unfiltrierte Öle haben jetzt ihr volles kräftiges Aroma. Sie sind frisch, zum baldigen Verzehr gedacht und eignen sich nicht zur Lagerhaltung. Die Fruchtfleischpartikel lassen das Olivenöl schneller altern als filtrierte Öle.

Das traditionelle Abendessen mit dem allerersten frischen Öl direkt aus der Ölmühle von Massimo Fia, dem Geschäftsführer der Kooperative Agraria Riva del Garda am Gardasee besteht aus Pellkartoffeln mit ein paar Salzkristallen und grob gehobeltem Grana Padano. „Jedes Jahr freue ich mich wieder darauf wie ein Kind auf Weihnachten“, erzählte er mir mit leuchtenden Augen vor wenigen Tagen. Ihr bereits filtriertes Olivenöl Parallelo46 Bio aus der regionaltypischen Olivensorte Casaliva ist neu bei mir im Programm. Die Sorte besticht durch ihr herrliches Aroma nach grüner Mandel und frischer Artischocke. Es hat dezente Bitternoten, eine mittelintensive Schärfe und passt wunderbar zu Fischgerichten und Blattsalaten oder eben zu Pellkartoffeln und Grana. Über 300 Mitglieder der Kooperative – alles Kleinbauern aus der Umgebung - liefern die Oliven dazu. Eine mehr als beachtliche Gemeinschaftsleistung! Alle dort freuen sich über den neuen Jahrgang: Die Oliven sind gesund und die Menge, die am Baum hing oder noch hängt ist auch ordentlich.

Viel Freude an den Olivenölen der neuen Ernte wünscht

Michaela Bogner

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