Die Erntemengen 2016/2017 in Italien lassen das Produzentenherz leider nicht höher schlagen. Sie sind im Durchschnitt um 49 % geringer im Vergleich zum Vorjahr.

Bereits früh im Jahr war in vielen Teilen Italiens klar, dass die Olivenfliege wieder verstärkt im Olivenhain unterwegs war. Grund dafür ist der Klimawandel. Die Winter werden milder, die Sommer feuchter. Perfekte Bedingungen für den Olivenfeind Nr. 1.

Diesmal waren die Produzenten allerdings besser auf die Olivenfliegen-Attacken vorbereitet als in 2014 - dem "annus horribilis" der italienischen Olivenbauern. Es fand enges Monitoring im Olivenhain mit Pheromon-Fallen statt, um den Olivenfliegenbefall genau bestimmen zu können. Daraufhin wurde früh mit Gegenmaßnahmen begonnen wie dem Besprühen der Bäume mit einer Mischung aus Kaolin und Kupfer und/oder dem Insektizid Spintor Fly, das auch im Bio-Anbau zugelassen ist. Nico Sartori von der Fattoria Altomena in der Toskana erzählte mir:“ Wenn ich die Bäume nicht mit Kaolin und Kupfer behandelt hätte, dann wäre ich wie vor zwei Jahren vor einem kompletten Ernteausfall gestanden. So konnte ich zwei Drittel der Früchte retten.“

Fast alle Produzenten haben dieses Jahr sehr früh mit der Ernte begonnen, um die Oliven vor einer weiteren Attacke der Olivenfliege zu schützen. „Wir haben am 10. Oktober mit der Ernte begonnen. So früh wie noch nie. Normalerweise beginnt bei uns die Ernte der Coratina-Oliven gut drei Wochen später. Der Ölertrag war dementsprechend niedrig bei nur sieben bis acht Prozent. Normalerweise liegen wir bei gut zwölf Prozent“, berichtete mir Mauro Altomare von Gran Pregio, den ich Anfang November in Molfetta besuchte.

Auf Sizilien war bereits im Juni 2016 nach der Blütezeit klar, dass es kein „Rosen- und Blumenjahr“ (ital. un’annata di rose e fiori) werden würde. In der Bergregion Monti Iblei im Südosten Siziliens fielen 40 Prozent der Blüten zu Boden . Zur Blütezeit herrschte sehr feucht-schwüles Wetter mit Tagestemperaturen bis zu 40 Grad. Morgens waren die Olivenhaine oft in Nebel gehüllt. Dies führte dazu, dass die Blüten zu früh vom Baum gefallen waren.

Ich habe auf meinen Ernte-Reisen zu den Produzenten durchaus Top-Qualität verkostet, schnupperte an grünen frischen Aromen nach Strauchtomaten, Wiesenkräutern, grüner Mandel, Artischocke und frisch geschnittenem Gras. Solche Qualitäten gelingen in schwierigen Jahren aber nur den Besten. Sie sind nur möglich durch eine aufwändige kontinuierliche Pflege der Olivenhaine, eine zeitlich vorgezogene Ernte mit geringerem Ölertrag und eine rigorose Selektion der Oliven vor der Verarbeitung. Und dann braucht es noch modernste Ölmühlentechnologie und einen Ölmüller, der mit ihr umzugehen weiß. Nur so entstehen auch in schwierigen Jahren Olivenöle, die all unsere Sinne ansprechen und uns begeistern.

Neugierig geworden auf die neue Ernte?

Hier geht es zum Online-Shop.

P.S.: Ein sehr moderater Preisanstieg, den ich der langjährigen guten Zusammenarbeit mit den Produzenten zu verdanken habe, hat seine Ursachen in den oben genannten Gründen. Wir bitten um Ihr Verständnis.