La Fioritura, die Blütezeit, gibt dem Olivenproduzenten einen ersten Hinweis darauf mit welcher Erntemenge er im Herbst/Winter wohl rechnen darf.

Die Blütezeit im Olivenhain erstreckt sich in Italien je nach Region über mehrere Wochen zwischen Ende April (Sizilien) bis Juni (Toskana). Ein paar Wochen später sind gut die Früchte zu sehen. Sind es viele? Sind es wenige? Dies ist der erste Hinweis für den Produzenten wie das neue Erntejahr wohl ausfallen wird. Betonen möchte ich, dass dies nur ein erster Indikator ist und noch viel Positives wie Negatives im Olivenhain passieren kann bis zur nächsten Ernte im Herbst/Winter.

Äußerst wichtig bei der Blütezeit sind günstige Wetterbedingungen. Die Blüte sollte möglichst lange sowohl geöffnet als auch unversehrt an den Zweigen verbleiben. Nur so ist eine ideale Bestäubung möglich. Es darf nicht zu heiß sein, denn dann vertrocknet die Blüte zu schnell. Es darf nicht zu windig sein, denn auch dann vertrocknet die Blüte zu schnell. Es darf aber auch nicht zu wenig Wind haben, ansonsten findet zu wenig Pollenflug statt. Es darf aber vor allem nicht zu viel regnen. Denn dann fallen die Pollen auf die Erde und erreichen nicht ihr Ziel – die Blüten.

Hier ein kleiner Lagebericht aus dem Olivenhain von Anfang Juli 2017:

Frantoi Cutrera – Chiaramonte Gulfi, Sizilien

„Bei uns im Südosten Siziliens trugen die Bäume viele Blüten, aber daraus entwickelte sich ein nur geringer Fruchtansatz aufgrund sehr feuchten Wetters im Mai. Es wird ein weiteres Jahr mit enttäuschenden Mengen. Was die Qualität angeht sind wir guter Hoffnung. Aufgrund des heißen Wetters gibt es momentan keine Probleme mit der Olivenfliege.“

Sebastiano Salafia, Neffe von Salvatore Cutrera

Gran Pregio – Molfetta, Apulien

„Wir hatten unglaublich viele Blüten an den Bäumen, aber leider nicht einen dementsprechenden Fruchtansatz. Das hängt sicherlich mit den hohen Temperaturen zusammen, die wir seit März bis jetzt in unseren Olivenhainen haben. In Apulien liegen die Tagestemperaturen bei 35 Grad mit Höchstwerten von 40 Grad Celsius ohne jeglichen Regen. Das schützt uns vor einem Olivenfliegen-Problem, hat aber Auswirkungen auf die Menge an Oliven. Wir gleichen mit Bewässerung den fehlenden Regen aus, aber wenn es nicht bald einmal regnet, wird darunter auch die Qualität leiden.“

Mauro Altomare & Maria Caputo

Tenute Librandi – Vacarizzo Albanese, Kalabrien

Der Fruchtansatz war wie immer um einiges geringer als die Blütenanzahl. Maximal 3 % der Blüten werden tatsächlich zu Früchten. Da haben wir keine großen Erwartungen an unsere Olivenbäume. Das sind wir so gewohnt. Was uns vor größere Herausforderungen stellt, ist die anhaltende Hitzewelle der letzten Wochen, die für diese Jahreszeit untypisch war sowie das Ausbleiben des Regens nicht nur bei uns sondern in ganz Italien. Ein Teil der noch kleinen Früchte fiel bereits zu Boden aufgrund der hohen Temperaturen bis zu 39 Grad. Wir bewässern unsere Olivenhaine natürlich seit einiger Zeit, um den Großteil der Ernte zu retten und führen ein genaues Monitoring unserer Felder durch, um keine Überraschungen zu erleben. Die Olivenfliege ist noch nicht aktiv, was sicherlich den heißen Temperaturen geschuldet ist.“

Michele Librandi

Fonte di Foiano – Castagneto Carducci, Toskana

„Auch bei uns an der tyrrhenischen Küste südlich von Livorno haben sich schöne Blüten in ausreichender Zahl gebildet. Aufgrund der Dürre und Hitze mussten wir aber einen ziemlichen Verlust der Blüten verzeichnen, so dass der Fruchtansatz relativ gering ist. Was die Olivenfliege betrifft, ist es noch zu früh zu sagen wie es bis zur Ernte sein wird. Sicherlich wird der Olivenfliegen-Befall aber gering ausfallen, wenn das Klima weiterhin so heiß bleibt. Es wird wohl ein schwieriges Jahr. Um eine einigermaßen gute Erntemenge einzufahren, kommen zusätzliche Kosten (z. B. Bewässerung) auf uns zu. Wie die Qualität tatsächlich wird hängt noch von vielen Faktoren ab. Wichtig ist, gesunde Oliven in die Ölmühle zu bringen. Dann können wir die Qualität in der Ölmühle steuern.“

Paolo di Gaetano

Altomena – Pelago, Toskana

„Hier im nordöstlichen Teil der Toskana waren unsere Bäume voll von Blüten, was uns erst einmal hoffen ließ. Der Fruchtansatz war aber gering aufgrund der für Mai und Juni untypisch hohen Temperaturen. Seit zwei Monaten hat es nicht ausreichend geregnet. Glücklicherweise stehen meine Oliven auf tonhaltigen Böden, die wie ein Schwamm das Wasser aufsaugen. Aber wenn es nicht bald regnet, wird das sicherlich Auswirkungen auf die zu erwartenden Mengen haben. Ich gehe darum von einer geringen Erntemenge aus, von Oliven, die hohe Polyphenolgehalte im Öl liefern werden, womöglich aber reduzierter Aromen bilden. Das sind natürlich aktuell alles nur Annahmen. Ich hoffe, dass es bald „normale“ Regenfälle geben wird und sich meine zum Teil doch recht pessimistischen Erwartungen für dieses Jahr noch ins Positive wandeln werden.“

Nico Sartori