Vor kurzem begegnete mir wieder ein aus ligurischen Taggiasca-Oliven gewonnenes Tropföl. Die wunderschön verpackte Halbliterflasche kostet 29,50 Euro. Ist es das wert?

Der Begleittext beschreibt die Herstellung von Tropföl. Die Oliven werden auch heute noch mit Granitsteinen zermahlen, der Olivenbrei dann auf Pressmatten gestrichen, die aufeinander gestapelt werden. Das Öl, das bereits bei diesem Vorgang ohne weiterer hydraulischer Pressung von den Matten in einen Behälter tropft nennt man dementsprechend Tropföl. Gern wird es auch als „Blume des Olivenöls“ bezeichnet. Bei diesem Herstellungsverfahren ist die Ausbeute von Öl sehr gering. Das stimmt. Das macht es teuer. Das stimmt auch.

Aber ist es wirklich besonders wertvoll? Leider nein. Olivenöl, das auf solche Art hergestellt wird, ist bereits bei der Flaschenabfüllung stark oxidiert. Durch den ungezügelten Kontakt mit Sauerstoff beim alten Mahlverfahren der Oliven und beim Bestreichen der Pressmatten (von oftmals hygienischen Mängeln solcher Pressmatten ganz abgesehen) galoppiert der Oxidationsprozess im Olivenbrei und später dann im nicht filtrierten Olivenöl rasant dahin. Denn die kleinen Schwebepartikel und restlichen Wasserpartikel im Öl beschleunigen in der abgefüllten Flasche weiterhin das „Altwerden“ des Öls.

Ich kenne keinen Spitzenproduzenten, der heute noch Tropföle produziert. Denn er weiß, dass mit diesem überholten Herstellungsverfahren nie Top-Qualität entstehen kann. Das Ergebnis sind Olivenöle im Geschmack – ich zitiere den Katalog - „mild und voll, ligurisch samtig.“ Geschulte Olivenölverkoster würden den Geschmack eher als müde, oxidiert und im Mund als ölig-dickflüssig beschreiben.