Wenn ich auf meinen Reisen die Olivenölproduzenten nach ihren schönsten Kindheitserinnerungen frage, dann erzählen sie mit leuchtenden Augen von den Wochen der "raccolta". Bei der Ernte halfen alle Familienmitglieder mit, mittags gab es eine herzhafte Brotzeit unter Olivenbäumen und die Stimmung war von Vorfreude auf das frische Öl bestimmt. In diesen Tagen beginnt die neue Ernte in Italien. Wie bereiten sich die Produzenten darauf vor? Und wie wird wohl der neue Jahrgang? Produzenten schildern ihre allerersten Eindrücke....

Die Vorbereitungswochen vor der Ernte widmen Top-Produzenten viel Zeit der eigenen Ölmühle. Jedes Teil wird gewartet, neue technologische Innovationen werden eingebaut und sämtliche Details der Maschinen fein säuberlich geputzt. Denn Sauberkeit und Hygiene sind das A und O bei der Verarbeitung von Oliven zu Spitzenölen.

Dieses Jahr war der Ernteauftakt bei Salvatore Cutrera und seinem Team in Chiaramonte Gulfi im Südosten Siziliens früh, der 17. September. Die Olivenfliege ist unterwegs und je länger die Olivenbauern mit der Ernte warten, desto größer ist die Anzahl an von den Larven der Olivenfliege beschädigten Oliven. „Nach dem desaströsen Erntejahr 2014, in dem wir mit einem großen Olivenfliegenbefall zu kämpfen hatten und damals Tag und Nacht per Hand die Oliven vorselektiert hatten, haben wir uns einen optischen Olivensortierer angeschafft. Beim Wein kennt man die maschinelle Selektion der Früchte ja schon länger. Bei der Verarbeitung von Oliven ist das neu. Ich habe mir von einem Hersteller extra für unsere Zwecke eine Maschine umbauen lassen“, erzählte mir Salvatore Cutrera, als ich ihn dieses Jahr im Frühsommer besuchte. Diese Maschine ist nun im Einsatz, um auch in einem schwierigen Erntejahr, wie dies heuer auf Sizilien der Fall ist, Spitzenqualität produzieren zu können.

Gut 400 Kilometer nordöstlich von Chiaramonte Gulfi steht Angela Librandi in Nordkalabrien in der eigenen Ölmühle und verarbeitet die ersten Testchargen an Oliven. „Wir sind noch nicht voll im Erntebetrieb. Erst einmal schaue ich wie die Oliven – je nach Sorte und Standort – dieses Jahr bei mir in der Ölmühle ankommen und wie sie sich am besten verarbeiten lassen. Kein Jahr ist wie das andere. Natürlich hilft mir die Erfahrung, die ich seit 15 Jahren als Ölmüllerin habe. Aber dennoch musst du immer wieder aufs Neue herausfinden, wie du das Beste aus der Olive in diesem Jahr herausholst.“ Der erste Eindruck der Oliven gefällt ihr: Sie sind weniger schwierig zu verarbeiten im Vergleich zum letzten Jahr. Auch der Olivenfliegenbefall ist auf ihren Feldern – trotz 100 prozentigem Bio-Anbau und dadurch viel geringeren Möglichkeiten die Olivenfliege zu bekämpfen - gering geblieben.

Noch einmal 770 Kilometer weiter nördlich bereiten sich die Brüder Paolo und Simone Digaetano bei Bolgheri, Toskana, auf die nächste Ernte vor. „Wir werden wohl um den 4. Oktober herum mit der Ernte starten. Was die Qualität und die Menge der Oliven betrifft sind wir dieses Jahr sehr glücklich. Da können wir uns hier in der Gegend wirklich nicht beschweren“, berichtete Paolo am Telefon. Ganz anders sieht es keine 30 Kilometer entfernt im Landesinneren der Toskana in höheren Lagen aus. Dort hat die Kältewelle Ende Februar diesen Jahres heftige Frostschäden in den Olivenhainen hinterlassen. Zum Teil müssen die Produzenten dort mit Ernteausfällen bis zu 60 % rechnen. Auch Apulien und andere Landstriche Italiens berichten von ernsthaften Frostschäden und damit einhergehenden geringeren Erntemengen.

Das erste ungefilterte „Olio Nuovo“ der neuen Ernte aus Sizilien und Kalabrien erwarte ich um den 20. Oktober herum. Ich freu’ mich drauf!