In der Villa Montepaldi, mitten im wunderschönen DOP/DOC Gebiet des Chianti Classico gelegen, nahm ich an einer von der Region Toskana organisierten Fortbildung für Olivenölverkoster teil.

In einem der Fachvorträge stellte Dr. Marzia Migliorini, Leiterin des chemischen Labors der Florentiner Industrie- und Handelskammer, die Ergebnisse der diesjährigen Auswahl der besten toskanischen Olivenöle mit geschützter Ursprungsbezeichnung g.U. (ital. DOP = d’origine protetta) und geschützter geografischer Angabe g.g.A. (ital. IGP = indicazione geografica protetta) vor. Von insgesamt 126 DOP- und IGP-zertifizierten Olivenölen wurden 70 als besonders gut in die Selektionsliste der Region Toskana aufgenommen.

Nach der Vorstellung der Ergebnisse entbrannte eine hitzige Diskussion zwischen anwesenden Verkostern, Produzenten und staatlichen Stellen über die manchmal recht schwankende Qualität von DOP- und IGP-zertifizierten Ölen, die im Handel zu finden sind. Und das, obwohl diese laut EU-Verordnung strengeren analytischen Grenzwerten unterliegen und von einem offiziell anerkannten Verkoster-Panel auf ihre sensorische Qualität geprüft werden müssen.

Was sind die Gründe dafür? Bewerten die Panels teilweise zu lax? Da scheint es deutliche Unterschiede im Land zu geben. Die toskanischen Verkoster-Panels sind wegen ihrer strengen Bewertungen von manch einem Produzenten fast schon gefürchtet. Das Prüfungsergebnis fürs gleiche Öl fällt womöglich bei einem Verkoster-Panel einer anderen Region positiver aus. Hinter vorgehaltener Hand heißt es dann: „Je besser das Panel, desto schlechter das Öl.“ Ein Problem, das es in Zukunft zu lösen gilt. Und das wissen alle Beteiligten.

Die Idee, Olivenöle mit Herkunftsbezeichnung zu schützen und diese mit einem Siegel für den Verbraucher kenntlich zu machen, ist meines Erachtens definitiv gut und richtig. Schließlich wollen alle, die vor dem Olivenöl-Regal im Handel stehen wissen woher die Oliven stammen und wo diese verarbeitet wurden.

Es gibt Produzenten wie Nico Sartori von der Fattoria Altomena, die sich aktuell nicht DOP zertifizieren lassen wollen, obwohl sie das könnten. Ihm ist die Qualität vieler im Handel erhältlicher DOP-Olivenöle schlicht zu schlecht. Er will nicht mit diesen Ölen „in einen Topf“ geworfen werden. Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. Dennoch lassen sich viele Gleichgesinnte zertifizieren, um von den DOP-Promotionsaktionen der Region Toskana und von höheren Verkaufspreisen für DOP-Öle zu profitieren. Solange ihr Olivenöl erstklassig ist, kann ich es ihnen nicht verdenken. Nico ist und bleibt ein Querdenker, aber immer darum bemüht Diskussionen um wichtige Themen in Gang zu bringen. Der Sektor braucht mehr solcher Leute.

Produzenten, Konsortien, Verkoster-Panels und Abfüller von DOP-Ölen werden in Zukunft ernsthaft daran arbeiten müssen den hohen Standard an Qualität, den sich der Verbraucher von solch einem Öl erwarten kann und dafür ja auch bereit ist mehr zu bezahlen, für jede im Handel befindliche Flasche sicherzustellen.

Der Journalist und profunde Olivenöl-Kenner Andreas März geht im neuen MERUM Taschenführer „Italiens beste Olivenöle 2014“ auch auf diese Thematik ein. Sein Fazit nach der MERUM-Verkostung von 542 Olivenölen (89 davon DOP zertifiziert): „Zwischen Extra Vergine ohne Herkunftsbezeichnung und Ölen geschützten Ursprungs ist zumindest bei den eingereichten Ölen kein qualitativer Unterschied festzustellen.“

Hier ist der Taschenführer 2014 erhältlich.