Die als Kooperative geführte Ölmühle Frantoio di Riva am nördlichen Ufer des Gardasees setzt ein ehrgeiziges Upcycling-Projekt um.

Die am nördlichen Ufer des Gardasees befindliche Ölmühle verarbeitet jährlich zwischen 600.000 und 850.000 Kilo Oliven, die von ca. 1.300 Olivenbauern in der Umgebung stammen. Der Herr links im Bild ist Massimo Fìa, Generaldirektor der Kooperative, der mir das Upcycling-Projekt in ihrer Ölmühle erklärte.

Bei der Verarbeitung in der Ölmühle werden die Oliven zu einem Brei zerhäckselt. Der Brei wird in Malaxierern geknetet und so für den nächsten Verarbeitungsschritt vorbereitet, nämlich dem Separieren des Öls von den anderen Bestandteilen (Fruchtwasser, Kern, Schale und Zellbestandteile) der Olive in Zentrifugen. Diese Bestandteile bleiben zurück als entölter Pressbrei, der lange Zeit als Abfall galt. Auf dem Foto hält Massimo Fìa eine Flasche dieses Pressbreis in seinen Händen. Ein kleiner Teil davon kann als Dünger auf den Feldern genutzt werden. Der größte Teil muss jedoch aufwendig entsorgt werden.

Welche neuwertigen Produkte kann man nun aus diesem Pressbrei erzeugen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Ölmühle seit einigen Jahren in enger Zusammenarbeit mit Professor Maurizio Servili und dessen Team von der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Perugia.

Heute entstehen bei der Verarbeitung der Oliven in der Ölmühle Frantoio di Riva folgende Produkte:

  • 16 % extra natives Olivenöl
  • 30 % entkernter Trester, der als Futtermittel für Rinder eingesetzt wird
  • 30 % aufbereitetes Wasser, das für das Waschen der Oliven und Säubern der Maschinen in der Ölmühle genutzt werden kann (auf dem Foto eine Flasche davon in meiner rechten Hand)
  • 11 % Polyphenolkonzentrate, die aufgrund der antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen für die Kosmetik- und Pharmaindustrie äußerst interessant sind (auf dem Foto die Flasche in meiner linken Hand)
  • 12 % Olivenkernteile, die zu Heizpellets gepresst werden

Aus Abfall wurden Produkte, die die Ölmühle entweder selber nutzen bzw. an andere Industrien weiterverkaufen kann.

Ein spanisch-irisches Team rund um den Biotechnologen Ignacio Moyo Ramirez der Universität Granada, forscht daran den entölten Pressbrei aus Ölmühlen bei der industriellen Herstellung von Biotensiden einzusetzen.

Man darf gespannt sein welche Upcycling-Möglichkeiten die Forscher in Zukunft noch entdecken. Hier stehen wir sicher erst am Anfang einer sehr interessanten Entwicklung.

Quellen:

Frantoio di Riva – Agraria Riva del Garda

MERUM – die Zeitschrift für Wein und Olivenöl aus Italien

Olive Oil Times