Ich habe einen Rundruf bei Produzenten vom Gardasee bis nach Sizilien gestartet, um zu erfahren wie die aktuelle Lage im Olivenhain ist und um erste Einschätzungen zur kommenden Ernte 2019/2020 gebeten. Hier ein erster Überblick...

Die Ölreserven gehen zur Neige. Kein Wunder, denn mit nur 175.000 Tonnen hat die nationale Olivenölproduktion Italiens mit der aktuellen Ernte 2018/2019 einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht. In 2018/2019 lag es hauptsächlich an großen Frostschäden in Apulien, zu dem dann auch noch ein Olivenfliegenproblem hinzukam. Auch auf Sizilien kämpfte man letztes Jahr gegen Olivenfliege und „La lebbra“, einer Pilzkrankheit, die die Olivenfrüchte befällt. Apulien und Sizilien gehören gemeinsam mit Kalabrien zu den drei Regionen, die mehr als 75 Prozent zur nationalen Olivenölproduktion beitragen. Haben diese Regionen ein Problem, hat ganz Italien ein Problem.

Voraussichtlich Mitte bis Ende September beginnt die neue Ernte auf Sizilien. Es folgen sukzessive alle anderen Regionen Italiens. Wird das Erntejahr 2019/2020 wohl besser? Die ersten Reaktionen und Einschätzungen der von mir befragten Olivenproduzenten sind eher zurückhaltend. Hier ihre Antworten:

Furio Battelini, technischer Direktor, Agraria Riva del Garda, Trentino:
„Die Ernte 2018/2019 war für uns mengen- als auch qualitätsmäßig sehr gut. Nach einem ertragreichen Jahr folgt ein weniger ertragreiches. Darauf waren wir vorbereitet. Zusätzlich sind wir aber dieses Jahr im gesamten Gardasee-Gebiet damit konfrontiert, dass mehr Oliven frühzeitig vom Baum fallen als gewöhnlich. Es handelt sich dabei nicht um eine Krankheit der Bäume oder Früchte. Wir vermuten, dass es wohl mit Problemen bei der Bildung des Fruchtansatzes zusammenhängt. Wir hatten in dieser Phase eine Hitzewelle hier am Gardasee.“

Paolo di Gaetano, Fonte di Foiano, Toskana:
„Es wird mengenmäßig kein außergewöhnlich gutes Jahr, aber bis jetzt sieht soweit alles gut aus. Die ausgiebigen Regenfälle im Mai haben dem Boden gut getan und bei der Blüte geholfen, die allerdings dieses Jahr sehr spät einsetzte. Jetzt erst fangen die Oliven an, ihren Kern zu bilden. Momentan leiden wir etwas unter der Trockenheit, aber in unserer Gegend um Castagneto Carducci regnet es im Sommer immer sehr wenig. Das sind wir gewohnt. Wir hoffen, dass alles gut weiter geht.“

Pietro Intini, Olio Intini, Apulien:
Momentan sieht es in unseren Olivenhainen durchwachsen aus. Manche stehen mengenmäßig gut da, andere nicht. Die Produktionsmengen werden aber auch dieses Jahr weit unter dem Durchschnitt liegen, was nicht verwunderlich ist nach den großen Frostschäden im letzten Jahr. Auch die hohen Temperaturen während der Phase des Fruchtansatzes haben ihren Teil dazu beigetragen, dass wir auch dieses Jahr mit keinen großen Mengen rechnen können. Die Oliven, die am Baum hängen sind jedoch sehr schön und gesund und die aktuellen Temperaturen wirken einem eventuellen Olivenfliegenbefall entgegen.“

Michele Librandi, Tenute Librandi, Kalabrien:
„Im Großen und Ganzen sieht es in unseren Olivenhainen gut aus. Wir haben ausreichend Fruchtansatz bei unseren Olivensorten Carolea, Nocellara del Belice und Frantoio, die wir hauptsächlich anbauen. Vor gut zehn Tagen gab es bei uns starke Regenfälle, die in ein paar Olivenhainen kleinere Schäden angerichtet haben. Wir sind zufrieden und schauen zuversichtlich auf eine gute neue Ernte. Die hohen Temperaturen bereits im Juni und auch jetzt im Juli halten die Olivenfliege fern. Mit Trockenheit haben wir keine Probleme, da unsere Haine mit Bewässerungsanlagen ausgestattet sind. Wir hoffen, dass alles so bleibt!“

Sebastiano Salafia, Frantoi Cutrera, Sizilien:
„Auch dieses Jahr wird für uns mengenmäßig kein tolles Ergebnis bringen. In unseren Olivenhainen sehen wir momentan, dass die Anzahl an Früchten am Baum deutlich unter dem Durchschnitt liegt. Während der Blütezeit gab es extreme Temperaturschwankungen. In nur wenigen Stunden kletterte das Thermometer von 26 bis 28 Grad auf 37 bis 38 Grad Celsius. Das hat der Bildung des Fruchtansatzes geschadet. Weil die Temperaturen sehr hoch sind, rechnen wir aber aktuell nicht mit großen Olivenfliegenproblemen.“