Nach dem mengenmäßig desaströsen Vorjahr erholt sich die italienische Olivenölproduktion. Herrscht im Süden positive Stimmung, so kämpfen Bauern im Norden des Landes jedoch mit erheblichen Ernteverlusten weil die Olivenfrüchte vor der Ernte von den Bäumen fallen....

Mit nur 175.000 Tonnen im vergangenen Erntejahr 2018/2019 hatte die nationale Olivenölproduktion Italiens einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht. Dieses Jahr sprechen erste offizielle Schätzungen von etwa 330.000 Tonnen. Dabei ist es der Süden, der die Erntemengen sichert. In normalen Erntejahren tragen die Regionen Apulien, Kalabrien und Sizilien bereits zu 75 Prozent der nationalen Olivenölproduktion bei. Und dieses Jahr können sie diese Mengen liefern.

Nach den großen Frostschäden im Februar 2018 und dementsprechend schlechter Ernte erwartet Apulien dieses Jahr ein mengenmäßiges Wachstum von 175 Prozent und wird wohl für 60 Prozent der gesamten nationalen Erntemenge verantwortlich sein. Kalabrien rechnet mit 116 Prozent mehr Olivenöl im Vergleich zum Vorjahr. Im Ganzen betrachtet sieht es auch für Sizilien besser aus als in 2018. Die Region rechnet mit einem Zuwachs von 38 Prozent.

Allerdings gilt dieses Wachstum nicht für alle Provinzen gleichermaßen. Im Südosten der Insel bei Ragusa und Chiaramonte Gulfi gab es während der Blüte große Temperaturschwankungen. Sebastiano Salafia von Frantoi Cutrera berichtete, dass das Thermometer binnen weniger Stunden von 24 auf 34 und 36 Grad geklettert war. Die Blüten vertrockneten viel zu schnell und es konnte sich kein Fruchtansatz bilden. Bauern in diesen Regionen müssen mit Ernteeinbußen von bis zu 70 Prozent rechnen.

Ähnliches gilt in den nördlichsten Regionen Italiens. Südtirol/Trentino, das Veneto, die Lombardei, Friaul: alle rechnen mit 65 Prozent weniger Menge im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür ist, dass in den letzten Wochen massenhaft die Oliven vom Baum gefallen sind. Zuerst nahm man an, dass dieses Phänomen mit widrigen Witterungsbedingungen während der Bildung des Fruchtansatzes zu tun hat. Nun deuten erste Untersuchungen daraufhin, dass die ursprünglich aus Asien stammende marmorierte Baumwanze (lat. Halyomorpha halys) dafür verantwortlich sei. Furio Battelini, Leiter der genossenschaftlichen Ölmühle Agraria Rival del Garda, ist davon nicht ganz überzeugt, da der anomale Olivenverlust auch in Olivenhainen auftrat, in der die Baumwanze kaum vorkam und die Bauern trotzdem 80 Prozent weniger Oliven haben im Vergleich zum sehr guten Vorjahr. Olivenöl vom Gardasee wird dieses Jahr wohl zur Rarität, das sich auch im Preis niederschlagen wird....

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Quellen:

www.olivoeolio.edagricole.it mit Daten von Cia, Italia Olivicola & Aifo

www.teatronaturale.it