In den letzten Monaten sind die Preise für spanisches Olivenöl aufgrund von Marktspekulationen um fast 30 Prozent gefallen. Der Handel freut sich und kauft billig ein, der Kunde freut sich und kauft mehr billiges Öl. Doch einer bezahlt immer den Preis: in diesem Fall der Olivenbauer. Auf dem Bild tragen andalusische Bauern symbolisch ihre Olivenbäume zu Grabe. Tausende versammelten sich am 9. Juli in Sevilla, um gegen ruinöse Dumping-Preise zu demonstrieren...

Jetzt hat es also auch die spanischen Olivenbauern erwischt. In den 1990er Jahren senkte Spanien mit einem neu entwickelten superintensiven Anbausystem mit hohem Mechanisierungsgrad die Produktionskosten bei Olivenöl drastisch. Als damals das billige spanische Olivenöl den Markt überschwemmte, hatten italienische traditionell anbauende Olivenölproduzenten keine Chance mehr ihr Öl zu fairen Preisen zu verkaufen. Viele gaben auf. Noch vor gut zehn Jahren lag die jährliche Olivenölproduktion in Italien bei 600.000 Tonnen pro Jahr. Im aufgrund von klimatischen Extrembedingungen recht schlechten Erntejahr 2018/2019 wurden nach letzten Schätzungen des ISMEA-Instituts, das dem italienischen Landwirtschaftsministerium unterstellt ist, ein historisches Tief von 175.000 Tonnen produziert, ein Minus von 59 % zum Vorjahr mit ca. 429.000 Tonnen. Das Olivenhainsterben geht weiter, weil die Bauern kaum ihre Produktionskosten, die in den Kulturlandschaften Italiens je nach Region zwischen acht und dreißig Euro pro Liter Olivenöl liegen, erwirtschaften können. Ein übriges tut der Klimawandel mit extremen Temperaturschwankungen oder orkanartigen Stürmen, die die Ernte weiterhin dezimieren.

In Spanien ist nun durch Marktspekulationen der Olivenölpreis auf dem Großmarkt für die Warenkategorie nativ extra auf einen Tiefstand von ca. 2,20 € pro Kilo (ein Kilo entspricht 1,08 l) gesunken. Das liegt auch weit unter den im Vergleich zu Italien günstigeren spanischen Produktionskosten. Die Bauern fordern einen Mindestpreis von drei Euro pro Kilo Öl. Wer sich in einem kleinen Video die Demonstration ansehen möchte, kann dies hier auf der Website von europapress.es tun.

Welche Rolle spielt dabei der Handel? Besonders Discounter überbieten sich gern in ihren Preisschlachten. Und da kommen solche Marktspekulationen wie jetzt beim spanischen Olivenöl mit Preisen unter den Produktionskosten mehr als gelegen. Lidl ist da natürlich gern mit dabei. Und das obwohl das Unternehmen laut Verkündungen aus der Firmenzentrale mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie 2030 der nachhaltigste Discounter werden will. Gleichzeitig wird aber kräftig mit den nächsten Dumping-Preisen von Lebensmitteln geworben. In Deutschland sorgte gerade ihre letzte Werbeaktion für viel Aufregung, als sie Mitbewerber „auf die Schippe“ nahmen (z. B. Plakate mit dem Spruch: "Lidl lohnt sich. ALDI anderen sind teurer." Darunter: "Jacobs Krönung Kaffee - 45 %"). Für mich geht dieses Verhalten mit den Nachhaltigkeitstönen, die Lidl neuerdings anschlägt nicht zusammen.

In der Schweiz hat sich Lidl sehr weit aus dem Fenster gelehnt mit dem Werbe-Spruch: „Wir setzen auf nachhaltige Produkte zu fairen Preisen!“. Daraufhin hat die gemeinnützigen Stiftung IOF – International Olive Foundation – mit Sitz in Luzern Beschwerde gegen Lidl Schweiz bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission eingereicht. Die unabhängige Stiftung, die sich für den Schutz des Extra Vergine Standards bei Olivenöl einsetzt, begründet die Beschwerde so: „Wer natives Olivenöl Extra zum Literpreis von CHF 4,29 verkauft, bezahlt weder faire Einkaufspreise noch handelt er nachhaltig.“

Silvan Brun, Präsident der Stiftung IOF, hat zu Lidls Marktverhalten in Bezug auf Olivenöl einen ausführlichen persönlichen Kommentar geschrieben. Lesen Sie diesen hier.

Um Kulturlandschaften zu erhalten, müssen Olivenbauern deutlich höhere Preise für ihr Öl bezahlt werden. Der Handel darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen und auch der Endverbraucher sollte sich beim nächsten Kauf von extra günstigen Lebensmitteln die Frage stellen wie solche Preise wohl zustande kommen. Einer bezahlt immer. Das ist zumeist der Produzent, unsere Umwelt sowieso und somit am Ende wir alle.

Quellen:

Europapress.es

Evoo.expert

ISMEA