Vai, vai, veloce! Los, los, schnell! Es ist - wieder mal - eine schwierige Ernte. Die Erntehelfer im Südwesten Sardiniens beeilen sich, die Oliven zur Ölmühle zu bringen bevor der nächste Regenguss übers Land zieht. Ein erster Erntebericht...

„Ein normales Erntejahr gibt es nicht mehr!“, antwortete mir Antonello Fois von Accademia Olearia, als ich ihn Anfang November in Alghero, im äußersten Nordwesten Sardiniens besuchte und ihn aufgrund des schlechten Wetters auf die erschwerten Bedingungen bei der Ernte ansprach. Die Olivenbauern Italiens, der gesamten Mittelmeerregion haben mehr und mehr mit Wetterextremen zu kämpfen. Der Klimawandel lässt grüßen.

Nach Monaten anhaltender Hitze und null Niederschlägen kämpft Süditalien nun mit anhaltenden Regenschauern und zum Teil heftigen Sturmböen. „Wir haben aufgrund des starken Winds einiges an Oliven verloren,“ erzählte mir Angela Librandi von den Tenute Librandi in Nordkalabrien am Telefon. „Aber wir haben dennoch ein recht ertragreiches Jahr“. Die Ernte geht allerdings langsamer vonstatten als geplant. Sizilien traf es noch heftiger, besonders den Osten der Insel. „Wir sind etwa zwei Wochen in Verzug mit unserer Ernte“, berichtete mir Sebastiano Salafia von Frantoi Cutrera aus Chiaramonte Gulfi. Die Provinzhauptstadt Catania stand aufgrund der Unwetter tagelang unter Wasser. Zumindest kann der Süden – wenn auch verzögert – dieses Jahr immer noch ausreichend Früchte von den Bäumen ernten. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Erntemengen für ganz Italien wohl etwas über denen vom nicht sonderlich guten Vorjahr (273.500 t für die Ernte 2020/21) liegen werden. Allein die Regionen Sizilien, Kalabrien und Apulien machen gut 65 Prozent der nationalen Olivenölproduktion Italiens aus.

In Mittelitalien sind die Olivenölproduzenten größtenteils enttäuscht bis ziemlich frustriert. In der Toskana fielen über Monate keine Niederschläge, was das Wachstum der Oliven negativ beeinflusst hat. Es werden Ernteeinbußen von 50 bis 60 Prozent erwartet. Es wird aber exzellente Öle geben. Der Olivenfliegenbefall war aufgrund der heißen Temperaturen und der ausbleibenden Niederschläge äußerst gering. Die Produzenten müssen dafür aber sehr hart arbeiten und die Oliven gut selektionieren. Denn wenn die Früchte aufgrund der Trockenheit zu klein sind, kann es bei der Verarbeitung zu holzigen Fehlnoten kommen.

„Uns haben die klimatischen Bedinungen wirklich zu schaffen gemacht: Sehr kalte Temperaturen mit Nachtfrösten zur Blütezeit im Frühjahr, kurz darauf ein sehr heißer trockener Juni, der die Blüten zu schnell vertrocknen ließ und dann um dem 15. Juli herum Sturmböen und Hagel“, zieht Furio Battelini, technischer Leiter der Ölmühle der Erzeugergenossenschaft Agraria Riva am nördlichen Gardasee eine ernüchternde Bilanz des Olivenanbaus am Gardasee. Sie erwarten 60 Prozent weniger Menge im Vergleich zum Vorjahr. In anderen Regionen Norditaliens rechnet man sogar mit noch höheren Ernteeinbußen.

Überall werden außerordentliche Wetterphänomene zur Normalität. Die Landwirtschaft leidet als erstes darunter. Wir alle stehen vor großen Aufgaben.

Die Olivenöle der neuen Ernte treffen nach und nach bis spätestens Mitte Dezember bei mir ein. Pünktlich zum Weihnachtsfest!

(Stand: 12. November 2021)

Quellen: olivoeolio.edagricole.it; ISMEA; Produzenten vor Ort