Die Produzenten in Italien sind dieses Jahr mit der Qualität der Olivenfrüchte sehr zufrieden. Es gibt keine nennenswerten Schäden durch die Olivenfliege. Dennoch werden die Erntemengen wohl bis zu 20 Prozent geringer ausfallen als im Vorjahr. Ein paar Gedanken zur Ernte...

Sie bedeutet für alle Olivenölproduzenten so etwas wie die fünfte Jahreszeit. Die arbeitsintensiven Erntewochen sind bis zum letzten Tag erfüllt vom Hoffen und Bangen, die Olivenfrüchte sicher vom Baum einzubringen und binnen weniger Stunden in der Ölmühle zu verarbeiten ohne dass den Bauern schwere Regenfälle, Stürme oder womöglich noch sommerlich heiße Temperaturen über 30 Grad in die Quere kommen.

Saugen sich die Oliven mit zu viel Wasser voll, werden vermehrt ernährungsphysiologisch wertvolle Polyphenole beim Verarbeitungsprozess herausgeschwemmt. Sturm bedeutet Verlust von Oliven. Denn Qualitätsproduzenten ernten nie Oliven vom Boden, die von Schmutz, Pilzen und Bakterien verunreinigt sind. Liegen die Temperaturen womöglich noch bei spätsommerlichen 30 Grad und darüber, müssten die Früchte vor der Verarbeitung erst auf Temperaturen um die 23 Grad Celsius heruntergekühlt werden, sonst gibt es keine frischen Aromen im Öl.

In Telefonaten mit Produzenten von Sizilien bis zum Gardasee bekam ich berichtet, dass es dieses Jahr erfreulicherweise in keiner Region zu größeren Ausbrüchen der gefürchteten Olivenfliege kam. Die Weibchen dieses Schädlings stechen in die Früchte und legen ihre Eier darin ab. Die daraus schlüpfenden Larven fressen sich dann munter durch die ganze Olivenfrucht. Das traurige Ende vom Lied: Die Früchte fallen frühzeitig vom Baum oder sind von Fressgängen der Larven so zerstört, dass daraus nur noch sehr fehlerhaftes, übelriechendes Olivenöl gewonnen werden kann.

Im Trentino freut man sich über eine sowohl qualitäts- als auch mengenmäßig gute Ernte. Eine Erleichterung nach dem desaströsen Vorjahr, in dem es in dieser Region gut 80 Prozent weniger Oliven gab als sonst. Auch im Zentrum Italiens (Toskana, Umbrien, Marken) sind die Produzenten ganz zuversichtlich was Qualität und Menge betrifft. Sie werden definitiv über dem Vorjahr liegen. Die süditalienischen Regionen Sizilien, Kalabrien und Apulien tragen in der Regel zu etwa 75 Prozent zur gesamten nationalen Olivenölproduktion bei. Die Blütezeit verlief im Süden leider wetterbedingt nicht optimal. Auch war das Vorjahr 2019/2020 sehr ertragreich, so dass darauf meistens eine weniger ertragreiche Ernte folgt.

So gehen erste offizielle Schätzungen davon aus, dass die für Italien recht erfreulichen Erntemengen vom Vorjahr 2019/2020 (366.000 Tonnen) dieses Jahr definitiv nicht erreicht werden, sondern wohl eher unter 300.000 Tonnen fallen werden, einer Verringerung von etwa 20 Prozent.

Hier gibt’s die neue Ernte zu bestellen

Quellen: teatronaturale.it, ISMEA, Gespräche mit Produzenten

Bildnachweis: Das Gold der Bauern