Mein Kollege Silvan Brun aus der Schweiz hat in 2019 die umfangreichste Studie zur Qualität von Olivenöl im Schweizer Detailhandel (LEH) mit initiiert. Das Ergebnis ist für Kenner des Olivenölmarkts keine Überraschung: Nur gerade ein Fünftel der 183 getesteten und als nativ extra etikettierten Öle erfüllte zum Testzeitpunkt die dafür gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsanforderungen. In Deutschland ist die Situation meines Erachtens nicht viel anders. Eine ähnlich groß angelegte Studie für Deutschland ist in Planung...

Ich zitiere einige Textpassagen aus der Studie des IOF (International Olive Foundation):

„Das Resultat der Studie bestätigt unmissverständlich den weltweiten Trend: Fast 80 Prozent der geprüften Olivenöle konnten zum Testzeitpunkt die gesetzlichen Anforderungen an Extra Vergine Olivenöle nicht erfüllen, obwohl die erhobenen Proben als solche im Markt eingeführt waren. Gar knapp ein Viertel der Prüfmenge hätten die Supermärkte und Discounter zum Testzeitpunkt nicht (mehr) an die Konsumenten abgeben dürfen.(.....)Diese Öle, welche entweder chemische Grenzwerte für Extra Vergine Olivenöl massiv überschritten oder ausgeprägte sensorische Defekte aufwiesen, gehörten zum Testzeitpunkt der dritten Kategorie „Lampantöl“ an, und sind in diesem Zustand, so verlangt es das Gesetz, für die menschliche Ernährung nicht (mehr) geeignet...."

Fazit: Insgesamt nur 21,31 Prozent (39 von 183 getesteten und als nativ extra vermarkteten Olivenölen) konnten die Anforderungen an Extra Vergine erfüllen.

Pierluigi Tosato, früherer Executive Chairman einer der weltweit größten industriellen Olivenölabfüller, Deoleo S.A., und Stiftungsrat des IOF kommentiert die Ergebnisse so:

„Die enttäuschenden 21 Prozent der ermittelten Proben, die nachweislich als natives Olivenöl extra gelten, stellen nach meiner Erfahrung die tatsächliche Produktionsmenge in den wichtigsten Olivenöl produzierenden Ländern dar.(....) Die Produktion von echtem Extra Vergine Olivenöl erfordert einen gut überwachten Olivenanbau mit einer sehr frühen bis frühen Ernte gesunder Früchte sowie sehr strikte und auf Qualität ausgerichtete Produktionsverfahren. Korrekt umgesetzt führt das unter dem Strich zu einem relativ teuren Lebensmittel, insbesondere wenn wir es mit anderen Ölen pflanzlicher Herkunft vergleichen. Einem vom Markt diktierten hohen Preisdruck ausgesetzt bezahlen die Ölmühlen den Olivenbauern in aller Regel jedoch sehr niedrige Preise, so dass die Olivenbauern aus rein wirtschaftlichen Überlegungen kein Interesse haben, zugunsten qualitativ hochwertiger Oliven einen deutlich höheren und somit kostspieligeren Ernteaufwand zu betreiben. Das gipfelt darin, dass eine große Mehrheit des heute weltweit produzierten Olivenöls nicht von erster Güte ist.(....) Extra Vergine ist und bleibt eine Seltenheit.“

Wer Interesse an der kompletten, knapp 150 Seiten umfassenden Studie hat, schreibe mir bitte eine E-Mail an mb@dasgoldderbauern.de. Ich sende die Studie dann gern als pdf per Mail zu.