In diesen bewegten Wochen erreichen mich immer wieder Zuschriften von Ihnen, liebe Kundinnen und Kunden, in denen Sie sich mitfühlend nach der aktuellen Situation bei den Olivenölproduzenten in Italien erkundigen. Ich habe vor ein paar Tagen alle kontaktiert und nachgefragt. Ihre Anteilnahme freut sie sehr und gibt ihnen Kraft in diesen schwierigen Zeiten weiter zu machen, um auch diesen Herbst wieder prachtvolle gesunde Oliven zu ernten. Auf dem Foto sehen Sie einen Arbeiter im Olivenhain von Mauro Altomare und seiner Fattoria Gran Pregio in Apulien beim Baumschnitt in Corona-Zeiten...

Die Arbeiten im Olivenhain gehen weiter. Momentan steht der wichtige Baumschnitt an, so dass die Früchte genügend Licht und Luft bekommen und somit kraftvoll wachsen können. Selbstverständlich finden sie unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen statt, das heißt die Arbeiter halten einen Abstand von ca. vier Metern zueinander, auf dem Traktor sitzt nur eine Person, berichtete mir Michele Librandi von Tenute Librandi in Kalabrien.

Wer die Seele der Italiener ein bisschen kennt weiß, dass sie große Individualisten sind. Eigentlich sind sie nie einer Meinung. Politisch war das Land bis vor der Corona-Krise extrem gespalten. Jetzt zeigen sich die Menschen vereint im Kampf gegen den unsichtbaren Gegner und bleiben seit der vom italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte am 9. März verhängten Verordnung „Io resto a casa“ (übersetzt: „Ich bleibe zuhause“) sehr diszipliniert in den eigenen vier Wänden. Es gibt eine große Übereinkunft im Land, dass aktuell nur soziale Distanz die einzige Waffe gegen diese größte Krise und Bedrohung seit dem zweiten Weltkrieg ist.

Wer die Seele der Italiener ein bisschen kennt weiß auch, dass sie das Leben draußen auf der Straße, auf der Piazza, im Café oder auf dem Markt im engen Kontakt und Austausch mit Freunden, Nachbarn, Cousins, Cousinen, Onkeln und Tanten brauchen wie die Luft zum Atmen. Das alles fällt für uns alle gerade weg. Aber einer italienischen Seele fallen diese großen Veränderungen wohl noch ein bisschen schwerer als anderen.

Alle Produzenten, mit denen ich zusammenarbeite, und deren Familien sind zum Zeitpunkt dieses Artikels gesund. „Wir sind zuhause. Aber glücklicherweise ist unser Zuhause inmitten unserer Olivenhaine und Weinberge auf dem Land“, schrieb mir Nico Sartori von der Fattoria Altomena, die ca. 30 km östlich von Florenz liegt. Meine Freundin, deren Familie seit mehreren Generationen mitten im historischen Stadtzentrum von Florenz lebt, darf seit ein paar Tagen nach einer nochmaligen Verschärfung der Corona-Verordnungen nicht einmal mehr zum Joggen in den nahe gelegenen Park. Abgeriegelt. Menschen, die sich draußen bewegen, werden kontrolliert. Niemand darf sich mehr als 200 Meter vom eigenen Wohnsitz weg bewegen. Ausgenommen davon sind Arztbesuche oder lebensnotwendige Einkäufe.

Ein erster Hoffnungsschimmer ist, dass sich die Anzahl an Neuinfektionen in Italien abzuschwächen scheint (Stand 27. März 2020), aber es ist noch keine Tendenzänderung. Ob es zu dieser kommt, wird sich wohl erst in ein, zwei Wochen feststellen lassen.

Für die Produzenten von Qualitätsölen ist der gesamte lokale und nationale Markt zusammengebrochen. „In Italien kauft niemand mehr Qualitätsprodukte. Es wird nur noch Billigware verkauft,“ schilderte mir Paolo di Gaetano von Fonte di Foiano besorgt die sich anbahnende schwierige wirtschaftliche Situation.

Solange die Waren reisen dürfen, schöpfen sie jetzt Hoffnung aus den Bestellungen aus dem Ausland, die nach wir vor eintreffen. Hoffen wir, dass es so bleibt! Klar ist, dass die wirtschaftlichen und auch psychologischen Auswirkungen dieser Pandemie gravierend und weitreichend für uns alle sein werden.

Ihnen und Ihren Familien alles Gute!