Die Blütezeit im Mai und das Bilden des Fruchtansatzes in den Wochen danach ist für die Produzenten ein erster wichtiger Indikator mit welchen Erntemengen sie wohl im kommenden Herbst rechnen können. Ich habe bei meinen Produzenten vom Gardasee bis Sizilien nachgefragt. Hier ein kleiner Bericht aus dem Olivenhain...

Bestimmte Bäume – wie auch der Olivenbaum - tragen in einem Erntejahr wenig und im nächsten viel. Diese wechselnde Fruchtbarkeit wird alternierend genannt. Letztes Jahr gab es in den meisten Gegenden Italiens eine reiche Olivenernte, also wird dieses Jahr mit geringeren Mengen gerechnet. Mit Bewässerung und einem guten Baumschnitt können Olivenproduzenten dem ein bisschen entgegenwirken. Im Durchschnitt entwickelt sich aus ca. zwei Prozent der Abertausenden von Blüten ein Fruchtansatz.

Besonders in Nord- und Mittelitalien hatten einige Regionen im April mit anhaltender Kälte – besonders nachts – zu kämpfen. „ Die Blütezeit und im Anschluss die Entwicklung des Fruchtansatzes hinkt dem normalen Zyklus ein paar Wochen hinterher“, schrieb mir Furio Battelini aus Riva am nördlichen Gardasee. Er ist der technische Leiter der genossenschaftlichen Ölmühle Agraria Riva del Garda. Die meisten Produzenten erwarten geringere, aber dank einer reichen Blüte dennoch „normale“ Erntemengen im Vergleich zum Vorjahr, wenn alles gut weitergeht.

Die Trockenheit macht fast allen zu schaffen. Es gab wenig Niederschlag im Winter und aktuell herrscht auf Sizilien eine aus Afrika kommende Hitzewelle mit konstanten Temperaturen über 40 Grad Celsius. „Vermutlich wird das eines der trockensten Jahre, die wir je hatten“, berichtetGiuseppe Ardagna von der Cutrera-Familie aus dem Südosten Siziliens.

Im Nordwesten der Insel sieht es etwas besser aus: Antonella Titone bei Trapani war sehr zufrieden mit den klimatischen Bedingungen während der Blütezeit und den darauffolgenden Wochen. Es gab Regen. „Aber auch wir müssen jetzt mit einer kontrollierten Bewässerung beginnen“.

Auf der zweitgrößten Insel Italiens, Sardinien, ist Familie Fois, die ihre Olivenhaine um Alghero herum bewirtschaftet, nicht ganz so zuversichtlich. „Wir hatten ein paar heftige Regenfälle genau in der Zeit als sich der Fruchtansatz gebildet hat. Wir werden sicherlich weniger Ertrag haben als letztes Jahr.“

Und wie sieht es mit dem größten Feind des Olivenbauern, der Olivenfliege, aus? „Die Hitze im Juni hat die Olivenfliege definitiv dezimiert. Bei unserem Monitoring der Felder sehen wir kaum welche“ berichtete Furio Battelini erfreut. Das ist wohl die beste Nachricht von allen über ganz Italien hinweg. Kein Olivenfliegenbefall sind beste Voraussetzungen für Top-Qualität. Hoffen wir, dass für die Produzenten in den nächsten Monaten alles gut weiterläuft!