Hier gibt's eine Schritt-für-Schritt Anleitung für die Olivenölverkostung zuhause...

Olivenöl wird ähnlich wie Wein, aber doch ein bisschen anders verkostet. Am besten probieren Sie das Olivenöl pur in einem tulpenförmigen Glas, das sich z. B. für Grappa eignet. Warum pur probieren? Mit Weißbrot schmeckt gutes Olivenöl zwar immer, es verfälscht jedoch den Gesamteindruck vom Öl.

Trinken Sie nach jedem Olivenöl einen Schluck leicht prickelnden Mineralwassers und essen Sie einen kleinen Schnitzen säuerlichen Apfel ( z. B. Granny Smith), um alle Geruchs- und Geschmackssinne für das nächste Öl bereit zu machen. Hier die Verkostung Schritt für Schritt:

  1. Gießen Sie etwa zwei EL Olivenöl ins Glas
  2. Umfassen Sie das bauchige Glas mit einer Handfläche und decken Sie die Öffnung mit der anderen Hand ab. Dies ist wichtig, damit die flüchtigen Aromen im Glas verbleiben.
  3. Erwärmen Sie das Öl in Ihrer Handfläche und schwenken Sie dabei das Glas etwas. Die flüchtigen Aromen lösen sich bei einer Temperatur von ca. 28 Grad Celsius am besten aus dem Öl.
  4. Nehmen Sie die Hand von der Glasöffnung und riechen Sie mit jedem Nasenflügel ein- oder zweimal intensiv ins Glas hinein: Was ist der erste sensorische Eindruck? Riechen Sie grüne pflanzliche Noten oder eher heuartige, vergorene, ranzige Fehlnoten?
  5. Nehmen Sie einen kleinen Schluck des Olivenöls. Ziehen Sie während das Öl noch im Mundraum ist, zwei oder dreimal scharf Luft zwischen den geschlossenen Zähnen ein. Dabei entsteht ein schlürfendes, schmatzendes Geräusch. In Italien nennt man diesen Vorgang stripaggio. Das Einziehen des Sauerstoffs bewirkt, dass das Olivenöl in der gesamten Mundhöhle und im Rachen verteilt wird wodurch alle Geschmacksrezeptoren angeregt werden.
  6. Dann schlucken Sie das Olivenöl und beobachten Sie welche Sensationen sich im Hals entwickeln. Anschließend atmen Sie tief durch die Nase aus. Somit gelangen die flüchtigen Aromastoffe des Olivenöls zu den Rezeptoren im Nasenraum, die diese Informationen ans Gehirn weiterleiten. Die Geruchs- und Geschmacksforschung spricht dabei von der retronasalen Aromawahrnehmung.
  7. Bewerten Sie für sich nun das Öl anhand folgender Fragen:
    • Riechen Sie pflanzlich grüne Noten ähnlich wie frisch geschnittenes Gras, Wildkräuter, Artischocke oder Strauchtomate?
    • Schmecken Sie die Bitternoten und die Schärfe? Das sind Qualitätsmerkmale hochqualitativer Olivenöle. Je schärfer und bitterer das Öl, desto mehr Polyphenole, natürliche Antioxidantien, sind im Öl enthalten.
    • Wie entwickeln sich Schärfe und Bitternoten am Gaumen und im Rachen? Sind sie nur kurz wahrnehmbar oder lang anhaltend?
    • Wie fühlt sich das Olivenöl im Mund an? Ist die Textur des Öls eher dick- oder dünnflüssig für Sie?

      Das Öl sollte einen frischen, nicht ölig-dickflüssigen Eindruck im Mund hinterlassen.

Probieren Sie nun die Öle zu unterschiedlichen Lebensmitteln und bewerten Sie für sich welche Kombinationen Ihnen am besten gefallen. Folgende Speisen bieten sich bei einer Olivenölverkostung an:

    1. frisches Weißbrot mit Fleur de Sel
    2. in Gemüsebrühe gekochte Kichererbsen
    3. Rohkost wie z. B. Stangensellerie, Karotte, Fenchel mit etwas Fleur de Sel
    4. Büffelmozzarella mit Tomaten und etwas frisches Basilikum sowie Fleur de Sel
    5. Vanilleeis oder Basilikum-Zitronensorbet

Viel Freude beim Verkosten zuhause!